Wolf Frey: Mentoringland Deutschland – Den Stein ins Rollen bringen

Wolf Frey Frankfurt am Main Johanniter SchülerMentoren
Wolf Frey

Nach dem Beitrag von Frank Arnold vom Landratsamt Böblingen kommt nun der zweite Beitrag unserer Reihe.
Er kommt von Wolf Frey, der in Frankfurt am Main das Projekt Johanniter SchülerMentoren und den Verein Mentor Werk e.V. aufgebaut hat.

Vielfalt der Projekte als Stärke

Mentoring und Patenschafsprojekte haben Konjunktur. Das sind gute Voraussetzungen. Es ist an der Zeit, die Potentiale und die Qualität von Mentoring und Patenschaften in ihrer Vielfalt sichtbar zu machen.
Kinder und Jugendliche, Erwachsene in ihrem Umfeld, Stiftungen, Medien, die Wissenschaft, selbst der politische Raum beginnt wahrzunehmen: Das Konzept 1 : 1 Mentoring und Patenschaften vermittelt persönliche Orientierungs, Entwicklungs- und Wachstumsimpulse und trägt wesentlich zur Potentialentfaltung bei Mentess und Mentoren bei.
Durch vorurteilsfreie persönliche Begegnung, Zuwendung, Anregung, Hilfestellung, Aufmerksamkeit und anerkennende Wertschätzung zwischen Mentor und Mentee entstehen erfahrungsgemäß Ergebnisse, die Eltern, Lehrer, Ausbilder oder Arbeitgeber selten so vermitteln können. Wo Bildungsstrukturdiskussion, Lehrerverfügbarkeit, Leistungsvermögen und elterlicher Einfluss sich kaum wesentlich verändern werden und an ihre Grenzen stoßen, da werden Mentoring und Patenschaften als universal wirksames Bildungskonzept, unabweisbar flankierendes, gesellschaftliche Räume durchdringendes und verbindendes Mittel der Wahl.

Mentoring bunt und vielfältig wie die Beteiligten selbst

Mentoring verdient längst, aus der Ecke partikularistisch gepflegten Gutmenschentums, plakativen CSR-Engagements und hoheitlich freundlicher Ehrenamtsbeweihräucherung herausgeholt und transparent vermittelt, strukturell und finanziell trisektoral abgesichert, als Kulturform qualitativ weiterentwickelt zu werden.
Dabei verfügen wir über einen durchaus respektablen Fundus: Paten- und Mentorenprojekte sind in Deutschland fast so zahlreich, bunt und vielfältig wie die beteiligten Individuen und Organisationen. Lesepatenschaften konzentrieren sich auf frühe Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen. Mentoren und Paten lernen mit Schülerinnen und Schülern, unterstützen bei Hausaufgaben, erleben Freizeit, vermitteln Praktika, fördern Talente, eröffnen Zugang zu unbekannten Lebensräumen und Erfahrungswelten, kombinieren Erlebnispädagogik mit Mentoring – und Vieles mehr. Besonders an den Übergängen im Bildungssystem und beruflichen Schnittstellen bewirkt das Konzept Mentoring Beachtliches. Das scheinbar Einfachste, die persönliche Begegnung 1 : 1 auf Augenhöhe und die stützende Begleitung eines anderen Menschen, typ-, alters-, erfahrungs- und prägungsmäßig oft über große Distanzen hinweg, – ist dabei für alle Beteiligten nicht nur ein Lernfeld sondern oft auch eine große, immer lohnende Herausforderung.

Was fehlt?

Mentoring braucht Integration in bestehende Strukturen und hauptamtliches Backup. Hier gibt es große Fehlstellen, unreflektierte Unterschiede, Parallelitäten, Widersprüche, Insellösungen, unkoordinierte und ungenutze Potentiale. Viele Initiativen wissen schlicht nicht voneinander oder schirmen das immer individuell persönliche Engagement ihrer Mentoren und Paten auch schützend nach außen ab. Obwohl? – Oder weil es einen potentiell unstillbaren Bedarf an Mentoren, Angst vor Konkurrenz bei wenig anzapfbaren Ressourcen, keine Transparenz, kaum inhaltlich oder nutzerorientierte Arbeitsteilung und offene, qualitätsbildende Kommunikation zwischen den Projekten gibt?
Ja, es gibt gewachsene, gut funktionierende regionale Netzwerke, die sich unterstützend und hilfreich für die Organisatoren einzelner Mentoren- und Patenschaftsprojekte auswirken. Auf Bundesebene fehlt indes neben der Aktion zusammenwachsen bislang eine derartige, öffentlichkeitswirksam verankerte Inhalts-, Qualitäts- und Strukturdiskussion zum Thema Mentoring und Patenschaften – obwohl sich eigentlich überall die gleichen Probleme und Entwicklungsfragen stellen.

Bundeskongress Mentoring und Patenschaften 2015

Erstmals haben sich nun schon 2013 verschiedene zivilgesellschaftlich engagierte Akteure der Mentoring- und Patenschaftsszene unter dem Arbeitstitel Initiative Viel.Stimmig.1:1 zusammengetan und die Aufgabe gestellt, lokal, regional und bundesweit relevante Kräfte und Mitstreiter zusammenzubringen, um dem Konzept Mentoring und Patenschaften auf Bundesebene gemeinsam den Stellenwert und die Geltung zu verschaffen, die dem ihm innewohnenden Potential gerecht werden. Dazu bietet sich als erster Schritt an, für das Jahr 2015 einen Kongress in Angriff zu nehmen, der auch in Deutschland endlich viel.stimmig die Grundlage für eine gemeinsame Kampagne MENTORING.LAND Deutschland legt, so Ressourcen bündelt und den Stein ins Rollen bringt. Das Gelingen dieses zweifellos nicht unbescheidenen Ansatzes hängt mit Sicherheit nicht zuletzt an der Qualität, Kompetenz, dem Einsatz und dem Engagement der zu gewinnenden Kampagnen-Partner.

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