Beziehungen im Mittelpunkt: Mentoringtag 2015 in Hamburg

Ein Erfahrungsbericht von Sebastian Volberg

Am 18. September lud der Mentor.Ring Hamburg e.V. zum 7. Mentoringtag ins Forum der Körber Siftung. Die alljährliche Veranstaltung des Netzwerks Hamburger Paten- und Mentoringprojekte fand dieses Mal unter dem Motto „Auf die Beziehung kommt es an“ statt.

Für mich war es nach einer Veranstaltung bei der Konrad Adenauer Stiftung im April die erste größere Veranstaltung seit Monaten. Zu meiner Freude gab es ein Wiedersehen mit vielen Bekannten Gesichtern. Inhaltlich zog sich das Motto dann auch tatsächlich als roter Faden durch den Tag.

Der erste größere Programmpunkt war ein Fachvortrag von Prof. Dr. Gerhard Suess zu psychologischen Aspekten zur Beziehung zwischen MentorInnen und Mentees. Der Professor für Psychologie an der HAW Hamburg verstand es, Gelingensbedingungen und Stolpersteine für Beziehungen anschaulich darzustellen und damit die Teilnehmenden auf das große Thema der Mentoringtages einzustimmen.

Quelle: Screenshot, Twitter.com
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Nach der Mittagspause ging es in die Workshops. Drei der sechs parallelen Sessions hatten die Beziehung zwischen MentorIn und Mentee im Fokus, aber auch die Beziehungen zwischen Projekt und Schule, Projekt und MentorIn sowie Projekt und Eltern wurden behandelt.

Nach den Workshops fanden sich alle wieder im Foyer, um bei Kaffee und Kuchen Ergebnisse auszutauschen und sich der allgemeinen Vernetzung zu widmen. Im Anschluss daran bat Moderator Burkhard Plemper zum Podiumsgespräch zum Thema „Freiwilliges Mentoring, staatliche Jugendhilfe und Politik – eine problematische Beziehung“.

Quelle: Screenshot, Twitter.com
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So ging es zum Beispiel um die Vorteile von Laien gegenüber Profis, bzw. Ehren- gegenüber Hauptamtlicher. Sabine Brahms vom AKTIVOLI Landesnetzwerk betonte, dass Freiwillige oft als Geschenk gesehen werden. Schließlich sorge es bei Familien und Jugendlichen immer noch oft für Verwunderung, dass sich jemand ohne eine Gegenleistung um sie kümmert. Wolfgang Rose von ver.di ergänzte:

Verlässliche Beziehungen zu jemanden, der sich beruflich kümmert, hat auch Wert. Und sich gerne für jemanden einsetzen ist kein rein ehrenamtliches Gefühl.

Daneben war auf dem Abschlusspodium auch das Thema der Qualifizierung im Mittelpunkt, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der vielen Initiativen, die sich ohne formale Organisationen für Geflüchtete einsetzen. Jörg Fischlin vom Mentor.Ring Hamburg e.V. erläuterte das komplexe Spannungsverhältnis:
So habe es Nachbarschaftshilfe früher schon informell gegeben. Heute seien Institutionen dazwischengeschaltet, denen Eltern ihre Kinder anvertrauen und gegenüber denen sie Ansprüche stellen, wie eine professionelle Qualität und Begleitung sowie die Sicherheit ihrer Kinder. Auch Wertschätzung werde da gegeben, wo es andere nicht tun (können). So gehe es eben auch um eine Struktur, die etwas auffangen kann, wenn etwas schiefgeht.

Einigkeit herrschte bei der Frage, ob ehrenamtliche Patenschaften Ersatz für staatliche Leistungen, z.B. der Hilfen zur Erziehung. Wenig überraschend, war der Tenor, dass Paten zwar eine Ergänzung solcher staatlichen Hilfen sein können, aber beispielsweise nicht ein Patenprojekt einspringen könne, wenn Hilfen zur Erziehung für eine Familie auslaufen. Aus dem Publikum wurde berichtet, dass es dennoch mal vorkäme, dass in solchen Fällen „das Amt anruft“.

Nicht nur in dieser Frage wurde das Publikum großzügig eingebunden, sodass eigene Erfahrungen, Wünsche und Visionen der Teilnehmenden aus der Praxis zur Sprache kamen.

Alles in allem war der 7. Hamburger Mentoringtag für mich eine runde Veranstaltung. Die Dokumentation des Fachtags mitsamt der Zusammenfassungen der Workshops wird in der nächsten Zeit durch den Mentor.Ring Hamburg e.V. veröffentlicht.

 


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Sebastian Volberg ist Initiator von Viel.Stimmig.1:1 und Vorstand der Denkwerkstatt: JugendMentoring e.V.

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